
Erstgespräch Psychotherapie: Was passiert beim ersten Termin?
Beim Erstgespräch in der Psychotherapie geht es darum, Dich und Deine aktuelle Situation kennenzulernen, erste Fragen zu klären und gemeinsam einzuschätzen, welche Unterstützung sinnvoll sein könnte. Du musst dabei weder Deine gesamte Lebensgeschichte erzählen noch bereits genau wissen, was mit Dir „nicht stimmt“.
Trotzdem macht der erste Termin viele Menschen nervös.
Was werde ich gefragt?
Wo soll ich anfangen?
Was passiert, wenn ich weine?
Muss ich über belastende Erfahrungen sprechen?
Und was, wenn die Therapeutin denkt, mein Problem sei gar nicht schlimm genug?
Diese Unsicherheit ist verständlich. Schließlich gehst Du zu einem Menschen, den Du noch nicht kennst, und sollst über etwas sprechen, das Du möglicherweise selbst kaum einordnen kannst.
Ein gutes Erstgespräch ist jedoch keine Prüfung. Du musst nichts beweisen, nichts perfekt erklären und auch keine überzeugende Begründung dafür liefern, warum Du Unterstützung suchst.
Was ist ein Erstgespräch in der Psychotherapie?
Ein Erstgespräch in der Psychotherapie ist der erste persönliche oder telefonische Kontakt zwischen Dir und einer therapeutischen Fachperson. Es dient der Orientierung: Du schilderst Dein Anliegen, erhältst einen Eindruck von der Arbeitsweise und erfährst, welche nächsten Schritte möglich sind.
Der Begriff wird allerdings nicht überall gleich verwendet.
Manche Praxen bezeichnen bereits ein kurzes Telefonat als Erstgespräch. Andere meinen damit den ersten ausführlichen Termin vor Ort. Im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung kann damit außerdem die psychotherapeutische Sprechstunde gemeint sein, in der Beschwerden, Behandlungsbedarf und mögliche Empfehlungen eingeordnet werden. Das Bundesgesundheitsministerium beschreibt diese Sprechstunde als Angebot zur Beratung, ersten diagnostischen Einschätzung und Klärung des individuellen Behandlungsbedarfs.
In meiner Privatpraxis für Psychotherapie in Kassel-Wilhelmshöhe unterscheide ich zwischen zwei Schritten:
- einem kostenlosen telefonischen Kennenlernen von etwa 15 Minuten
- einem ausführlichen Anamnesegespräch in der Praxis
Diese Unterscheidung ist wichtig, weil Du beim ersten Telefonat noch nicht Deine ganze Geschichte erzählen musst.
Das telefonische Kennenlernen: der erste kurze Kontakt
Vor dem eigentlichen Ersttermin biete ich ein unverbindliches telefonisches Gespräch an. Dabei klären wir zunächst:
- Worum geht es Dir ungefähr?
- Suchst Du Unterstützung für Dich selbst?
- Passt Dein Anliegen grundsätzlich zu meinem Behandlungsangebot?
- Sind aktuell Termine verfügbar?
- Welche Fragen hast Du zum Ablauf oder zu den Kosten?
Das Gespräch dauert etwa 15 Minuten und ist kostenfrei. Es dient nicht der Diagnostik und ersetzt keine ausführliche Anamnese. Vielmehr bekommst Du eine erste Vorstellung davon, wie ich spreche, wie der Kontakt sich anfühlt und ob Du Dir einen persönlichen Termin vorstellen kannst.
Für Deine Anfrage reichen wenige Sätze. Zum Beispiel:
„Ich bin seit einiger Zeit stark angespannt und merke, dass ich allein nicht mehr richtig weiterkomme.“
Oder:
„Ich gerate in Beziehungen immer wieder in ähnliche Situationen und möchte verstehen, warum.“
Du musst am Telefon keine intimen Details nennen. Gerade bei belastenden oder traumatischen Erfahrungen reicht eine grobe Einordnung.
Was passiert beim ersten ausführlichen Termin?
Das ausführliche Anamnesegespräch dient dazu, Deine aktuelle Situation genauer zu verstehen. „Anamnese“ bedeutet zunächst nichts anderes als eine strukturierte Erhebung Deiner Vorgeschichte und Beschwerden.
Zu Beginn frage ich Dich normalerweise, was Dich zu mir führt und was Du Dir von der psychotherapeutischen Begleitung erhoffst.
Manche Menschen erzählen sofort viel. Andere wissen nicht, wo sie anfangen sollen. Beides ist in Ordnung.
Wenn Dir der Einstieg schwerfällt, leite ich das Gespräch mit konkreten Fragen. Du musst also keinen perfekt vorbereiteten Bericht halten.
Typische Themen sind:
Deine aktuelle Belastung
Was beschäftigt Dich im Moment besonders? Seit wann besteht die Belastung? Wie zeigt sie sich in Deinem Alltag?
Dabei kann es beispielsweise um Ängste, innere Unruhe, Erschöpfung, Grübeln, Selbstwertprobleme, belastende Erfahrungen oder wiederkehrende Beziehungsmuster gehen.
Auswirkungen auf Deinen Alltag
Wir betrachten, wie sich Deine Beschwerden auf Schlaf, Arbeit, Körper, Beziehungen und Lebensqualität auswirken.
Eine wichtige Frage lautet nicht nur: „Funktionierst Du noch?“
Ebenso bedeutsam ist: Wie viel Kraft kostet Dich dieses Funktionieren inzwischen?
Deine Vorgeschichte
Frühere Belastungen, prägende Beziehungen, wichtige Lebensereignisse und bisherige Therapien können eine Rolle spielen. Du musst jedoch nicht bereits im ersten Termin jedes Kapitel Deines Lebens ausführlich erzählen.
Es geht zunächst darum, Zusammenhänge zu erkennen und ein erstes Gesamtbild zu entwickeln.
Deine körperliche und medizinische Situation
Auch körperliche Erkrankungen, Medikamente, Schlaf, Substanzkonsum oder frühere psychiatrische Behandlungen können für die therapeutische Einschätzung relevant sein.
Psychische und körperliche Prozesse lassen sich nicht immer sauber voneinander trennen. Deshalb kann im Einzelfall eine ärztliche oder psychiatrische Abklärung sinnvoll sein.
Deine Ziele
Was soll durch die Therapie anders werden?
Vielleicht möchtest Du weniger Angst erleben, Grenzen klarer wahrnehmen, belastende Erinnerungen verarbeiten oder verstehen, warum Du in bestimmten Situationen immer wieder gleich reagierst.
Es ist vollkommen in Ordnung, wenn Dein Ziel zu Beginn noch unscharf ist. Oft wird es erst im Gespräch konkreter.
Welche Fragen werden beim Erstgespräch gestellt?
Die genauen Fragen unterscheiden sich je nach Praxis, Anliegen und therapeutischer Ausrichtung. Häufig geht es um folgende Bereiche:
- Was führt Dich gerade jetzt in die Therapie?
- Seit wann bestehen Deine Beschwerden?
- Was verstärkt oder lindert sie?
- Gab es einen konkreten Auslöser?
- Wie wirken sich die Beschwerden auf Deinen Alltag aus?
- Welche Unterstützung hast Du bisher erhalten?
- Was hilft Dir in schwierigen Momenten?
- Was möchtest Du durch die Therapie erreichen?
Zusätzlich können Fragen zu Stimmung, Ängsten, Schlaf, Beziehungen, körperlicher Gesundheit und möglichen Krisensituationen gestellt werden.
Manche Fragen wirken zunächst sehr direkt. Sie dienen jedoch nicht der Neugier oder Bewertung, sondern der fachlichen Einschätzung. Dazu gehört auch, mögliche Risiken und Behandlungsgrenzen verantwortungsvoll zu prüfen.
Muss ich beim Ersttermin schon alles erzählen?
Nein. Du musst im Erstgespräch nicht sofort alles erzählen.
Eine Therapeutin benötigt zwar ausreichend Informationen, um Deine Situation fachlich einordnen zu können. Das bedeutet aber nicht, dass Du belastende Erinnerungen bereits detailliert schildern musst.
Du darfst beispielsweise sagen:
„Ich weiß, dass dieses Erlebnis wichtig ist, aber ich kann heute noch nicht genauer darüber sprechen.“
Oder:
„Ich merke gerade, dass mich die Frage überfordert.“
Auch das ist eine relevante Information.
Besonders bei traumatischen Erfahrungen ist Zurückhaltung nicht automatisch Widerstand. Sie kann eine sinnvolle Schutzreaktion sein. Eine verantwortungsvolle Traumatherapie beginnt deshalb nicht damit, Dich möglichst schnell mit dem belastendsten Erlebnis zu konfrontieren. Zunächst geht es darum, Sicherheit, Stabilität und Vertrauen aufzubauen.
Wie traumatherapeutische Arbeit gestaltet werden kann, erfährst Du auf meiner Seite zu EMDR und Traumatherapie in Kassel.
Warum die Angst vor dem Erstgespräch oft erst kurz vorher wächst
Viele Menschen fühlen sich erleichtert, sobald sie den Termin vereinbart haben. Einige Tage später beginnt jedoch das Grübeln:
War das wirklich nötig?
Vielleicht geht es mir doch gar nicht so schlecht.
Was, wenn ich keine Worte finde?
Sollte ich den Termin lieber absagen?
Psychologisch treffen hier zwei Bewegungen aufeinander.
Ein Teil von Dir möchte Veränderung. Ein anderer Teil versucht, Dich vor einer unbekannten und emotional verletzlichen Situation zu schützen.
Das Gehirn reagiert besonders aufmerksam auf Situationen, deren Verlauf schwer vorhersehbar ist. Ein Ersttermin enthält viele offene Fragen: Wer sitzt mir gegenüber? Wie werde ich wahrgenommen? Was löst das Gespräch in mir aus?
Deshalb kann sich die Anspannung körperlich zeigen – etwa durch Herzklopfen, Übelkeit, Unruhe, einen leeren Kopf oder den Impuls, den Termin kurzfristig abzusagen.
Diese Reaktion bedeutet nicht, dass Therapie falsch für Dich ist. Oft bedeutet sie nur, dass Du etwas tust, das bisher ungewohnt war: Dein inneres Erleben nicht länger allein zu tragen.
Im ersten Gespräch zeigt sich nicht nur, was Dich belastet. Oft zeigt sich bereits, wie Du gelernt hast, mit Belastung umzugehen: Du entschuldigst Dich für Deine Gefühle, spielst Erlebtes herunter, suchst nach den richtigen Worten oder versuchst, auch hier möglichst unkompliziert zu sein. Genau darin liegt bereits eine wichtige Spur. Du musst im Ersttermin nicht die perfekte Version Deiner Geschichte erzählen. Auch Dein Zögern, Dein Schweigen und Dein Wunsch, alles richtig zu machen, gehören zu Deiner Geschichte. Ein therapeutisches Gespräch beginnt nicht erst dann, wenn Du flüssig sprechen kannst. Es beginnt dort, wo Du nicht mehr allein so tun musst, als wäre alles leicht.
Melanie Heitmann
Muss ich mich auf das Erstgespräch vorbereiten?
Eine besondere Vorbereitung ist nicht erforderlich. Du musst keine Diagnose recherchieren und keinen chronologischen Lebenslauf erstellen.
Hilfreich kann es dennoch sein, Dir vorher wenige Notizen zu machen:
Was belastet mich aktuell am stärksten?
Seit wann ist das so?
Was möchte ich im Gespräch unbedingt ansprechen?
Welche Fragen habe ich an die Therapeutin?
Du kannst diese Notizen mitbringen und während des Gesprächs darauf schauen. Das ist kein Zeichen von Unsicherheit, sondern kann Dir helfen, trotz Nervosität wichtige Punkte nicht zu vergessen.
Falls Du Medikamente einnimmst oder bereits Arztberichte vorliegen, kann es sinnvoll sein, die Namen der Medikamente beziehungsweise relevante Unterlagen bereitzuhalten. Ob diese tatsächlich benötigt werden, lässt sich vorab klären.
Was darf ich die Therapeutin fragen?
Das Erstgespräch dient nicht nur dazu, dass die Therapeutin Dich einschätzt. Auch Du darfst prüfen, ob die Zusammenarbeit für Dich stimmig erscheint.
Mögliche Fragen sind:
• Mit welchen Methoden arbeiten Sie?
• Haben Sie Erfahrung mit meinem Anliegen?
• Wie häufig finden die Sitzungen statt?
• Wie lange dauert eine Sitzung?
• Was kostet die Behandlung?
• Was passiert, wenn ich einen Termin absagen muss?
• Wie gehen Sie vor, wenn sich im Verlauf zeigt, dass eine andere Behandlung sinnvoller wäre?
In meiner Praxis arbeite ich unter anderem mit Ansätzen aus moderner Verhaltenstherapie, Schematherapie, Akzeptanz- und Commitment-Therapie, Gesprächspsychotherapie sowie Traumatherapie und EMDR.
Welche Methode zum Einsatz kommt, hängt von Deinem Anliegen, Deiner Stabilität und Deinen Zielen ab.
Woran merke ich, ob die Therapeutin zu mir passt?
Die sogenannte therapeutische Allianz beschreibt die Zusammenarbeit zwischen Klient und Therapeutin: Fühlst Du Dich grundsätzlich verstanden? Könnt Ihr gemeinsame Ziele entwickeln? Erscheint Dir der therapeutische Weg nachvollziehbar?
Forschung zeigt seit Langem einen stabilen Zusammenhang zwischen der Qualität dieser Arbeitsbeziehung und dem Verlauf einer Psychotherapie. Eine große Metaanalyse mit mehr als 14.000 Behandlungen fand eine konsistente Verbindung zwischen therapeutischer Allianz und Behandlungsergebnis. Das bedeutet nicht, dass sich jede Sitzung angenehm anfühlen muss. Aber die Beziehung sollte ausreichend sicher sein, um auch Unsicherheit, Missverständnisse oder Kritik ansprechen zu können.
Achte nach dem Termin weniger auf die Frage:
„War ich sympathisch genug?“
Hilfreicher sind diese Fragen:
Konnte ich mich grundsätzlich zeigen?
Wurden meine Fragen ernst genommen?
Wurde mir der Ablauf verständlich erklärt?
Hatte ich das Gefühl, in meinem Tempo sprechen zu dürfen?
Kann ich mir vorstellen, auch schwierige Dinge anzusprechen?
Du musst nach dem ersten Termin noch kein tiefes Vertrauen empfinden. Vertrauen entsteht meist schrittweise. Ein grundlegendes Gefühl von Respekt und Sicherheit sollte jedoch vorhanden sein.
Bedeutet das Erstgespräch, dass die Therapie bereits begonnen hat?
Ein Ersttermin verpflichtet Dich nicht automatisch zu einer längerfristigen Therapie.
Nach dem Anamnesegespräch prüfen wir gemeinsam:
• Passt Dein Anliegen zu meinem Angebot?
• Ist eine ambulante Behandlung in meiner Praxis fachlich angemessen?
• Kannst Du Dir eine Zusammenarbeit vorstellen?
• Welche Ziele und Methoden könnten sinnvoll sein?
• Sind weitere medizinische oder psychiatrische Abklärungen notwendig?
Manchmal zeigt sich, dass eine Kurzzeittherapie passend sein könnte. Bei anderen Anliegen braucht es eine längerfristige Begleitung oder eine spezialisierte Behandlung.
Es kann ebenso vorkommen, dass ich eine andere Anlaufstelle empfehle. Das ist keine Zurückweisung Deiner Person, sondern Teil einer verantwortungsvollen fachlichen Einschätzung.
Was kostet das Erstgespräch in einer Privatpraxis?
Das kurze telefonische Kennenlernen ist in meiner Praxis kostenfrei. Das ausführliche Anamnesegespräch ist eine therapeutische Leistung und wird auf Selbstzahlerbasis berechnet.
Da meine Praxis nicht regulär mit der gesetzlichen Krankenversicherung abrechnet, trägst Du die Kosten selbst. Je nach Vertrag kann eine private Krankenversicherung oder Zusatzversicherung einen Teil der Leistungen erstatten. Eine mögliche Erstattung solltest Du vorab direkt mit Deiner Versicherung klären.
Meine aktuellen Honorare und Rahmenbedingungen findest Du transparent auf der Seite Psychotherapie: Kosten und Preise.
Fragen an dich
- Was befürchtest Du, könnte im ersten Gespräch über Dich gedacht werden?
- Welche Teile Deiner Geschichte versuchst Du selbst noch immer kleinzureden?
- Was würde den ersten Termin leichter machen, wenn Du dort noch nichts perfekt erklären müsstest?
Fragst Du Dich, ob mein therapeutisches Angebot zu Deinem Anliegen passen könnte?
Dann kannst Du zunächst ein kostenfreies telefonisches Kennenlernen vereinbaren. Dabei klären wir in Ruhe Deine ersten Fragen und schauen, ob ein Anamnesegespräch in meiner Praxis der passende nächste Schritt ist.